Wo übernachten in Hamburg?
Zwei besondere Hoteltipps zwischen City, Hafen und St. Pauli
01. Oktober 2026 · Alexandra Gorsche

Conrad Hamburg oder Empire Riverside Hotel? Wer ein Hotel in Hamburg sucht, sollte nicht nur über Zimmerkategorien und Sterne nachdenken, sondern darüber, welches Hamburg morgens vor der Tür liegen soll. Das Conrad Hamburg steht für urbanen Luxus mitten in der City, außergewöhnliches Frühstück und kurze Wege zu Alster und Rathaus. Das Empire Riverside bringt Hafen, Elbe und St. Pauli praktisch direkt vors Fenster. Zwei Hotels, zwei Perspektiven auf die Hansestadt und zwei Adressen, die unterschiedlicher kaum sein könnten.
Zwei Hotels, zwei Seiten Hamburgs
Hamburg kann man nicht nur besuchen. Man kann morgens auch mit einer völlig anderen Stadt vor dem Fenster aufwachen. Genau deshalb ist die Frage „Wo übernachten in Hamburg?“ weniger banal, als sie zunächst klingt. Möchte man mitten in der Hamburger Innenstadt wohnen und Richtung Binnenalster, Jungfernstieg, Rathaus und Shopping starten? Oder soll bereits der erste Blick am Morgen über Elbe, Hamburger Hafen und St. Pauli schweifen? Ich habe während meines Hamburg-Aufenthalts bewusst beide Perspektiven ausprobiert: Im Conrad Hamburg im historischen Levantehaus in der City und im Empire Riverside Hotel Hamburg an der Bernhard-Nocht-Straße zwischen Hafen und St. Pauli.
Dabei geht es nicht nur um Lage und Zimmer. Beide Häuser zeigen auf sehr unterschiedliche Weise, wie stark Hotellerie, Kulinarik und Stadterlebnis in Hamburg zusammenspielen können.
Conrad Hamburg: Luxushotel mitten in der Hamburger City
Das Conrad Hamburg befindet sich im historischen Levantehaus mitten im Zentrum Hamburgs. Hinter der historischen Fassade verbindet das Haus Hamburger Handels- und Designgeschichte mit zeitgenössischer Luxushotellerie. Die Lage ist vor allem für einen klassischen Citytrip spannend: Von hier aus lassen sich Innenstadt, Mönckebergstraße, Rathaus, Jungfernstieg und Alster hervorragend erschließen. Mein Eindruck: Luxus wird hier weniger über demonstrative Opulenz erzählt als über Raum, Ruhe, Materialität und Details. Das macht das Conrad sowohl für einen kurzen Hamburg-Städtetrip interessant, als auch für Gäste, die etwas länger bleiben möchten.
GRETA OTO: Wenn das Hotel selbst zur kulinarischen Adresse wird
Bemerkenswert ist hier auch das gastronomische Konzept. Kulinarik wird hier als Teil des Hotelerlebnisses verstanden. Im GRETA OTO Hamburg stehen lateinamerikanisch inspirierte Aromen im Mittelpunkt. Das Restaurant arbeitet unter anderem mit Gerichten zum Teilen und verbindet die Küche mit kreativen Cocktails. Besonders charmant finde ich die Neuinterpretation eines klassischen Luxushotel-Rituals: Statt des traditionellen Afternoon Tea gibt es Afternoon Coffee & Pâtisserie. Kaffeespezialitäten werden mit süßen und herzhaften Kreationen von Pâtissier Roshlee Cardoso kombiniert. Aktuell wird das Format freitags bis sonntags am Nachmittag in der Conrad Bar angeboten. Das klingt zunächst nach einem Detail, erzählt aber etwas Grundsätzliches über moderne Luxushotellerie: Traditionen können aufregend in die Neuzeit übersetzt werden. Und auch am Abend funktioniert das Haus kulinarisch. Für mich ist die Bar genau der richtige Ort für einen Digestif oder für jenes „nur noch ein Getränk“, aus dem bekanntlich gerne ein längeres Gespräch wird.
Frühstück im Conrad Hamburg: Lohnt es sich auch als eigenes Erlebnis?
Ein eigener Hoteltipp ist für mich das Frühstück im Conrad Hamburg. Meine Erwartungen wurden hier tatsächlich übertroffen. Das Angebot geht deutlich über das hinaus, was man gemeinhin unter einem klassischen Hotelfrühstück versteht: Neben kontinentalen Klassikern und zahlreichen Fischspezialitäten finden sich internationale Komponenten und warme Gerichte. Zusätzlich zum Buffet können frisch zubereitete À-la-carte-Gerichte bestellt werden; genau diese Kombination aus Buffet und Küche wertet das Frühstück deutlich auf. Für mich wurde daraus beinahe ein kleines kulinarisches Morgenmenü.
Mein Tipp: Wer gerne ausgiebig frühstückt, sollte hier bewusst Zeit einplanen. Ein gutes Hotelfrühstück ist schließlich nicht nur Verpflegung vor dem Sightseeing, es kann selbst Teil der Reise sein.
Empire Riverside Hotel Hamburg: Übernachten zwischen Hafen und St. Pauli
Dann wechselt die Perspektive und zwar ziemlich radikal. Das Empire Riverside Hotel ist eines jener Häuser, bei denen bereits die Lage Teil des Hotelerlebnisses ist. Direkt auf St. Pauli zwischen Hafen, Elbe und Reeperbahn ragt der bronzeverkleidete Turm des britischen Architekten David Chipperfield über die Stadt. Je nach Zimmerkategorie reicht der Blick über Hafen, Elbe und City. Die höher gelegenen Upside-Zimmer befinden sich beispielsweise zwischen dem 12. und 20. Stock und bieten einen garantierten Panoramablick; bei den Riverview-Zimmern gehört der Hafenblick durch zwei Panoramafensterflächen zum Konzept.
Mein Eindruck lässt sich ziemlich einfach zusammenfassen: Wer Hamburg visuell erleben möchte, ist hier richtig. Schiffe, Kräne, Wasser und das wechselnde Licht über dem Hafen gehören fast schon zur Zimmerausstattung. Statt die Stadt erst nach dem Verlassen des Hotels zu entdecken, schaut man hier bereits vom Bett aus mitten hinein.
Frühstück mit Hafenblick im Empire Riverside
Auch beim Frühstück spielt die Lage ihre Stärke aus. Gefrühstückt wird im Restaurant waterkant und damit beginnt der Tag mit Blick Richtung Hafen. Gerade diese Kombination hat ihren Reiz: Man sitzt morgens im Designhotel, während draußen der Hamburger Hafen längst arbeitet. Frühstück mit Schiffen statt Skyline, könnte man sagen. Das Frühstück wirkt für mich weniger inszeniert als jenes im Conrad. Aber genau deshalb sind die beiden Häuser so schwer miteinander zu vergleichen: Im Conrad ist das kulinarische Angebot selbst ein wesentlicher Teil des Erlebnisses, im Empire Riverside übernimmt beim Frühstück zusätzlich Hamburg die Hauptrolle. Wer danach losziehen möchte, ist praktisch bereits mittendrin: St. Pauli, Landungsbrücken, Hafen und Reeperbahn liegen vor der Tür.
waterkant Hamburg: Nordische Küche aus der offenen Showküche
Kulinarisch endet das Empire Riverside natürlich nicht beim Frühstück. Abends wird das Restaurant waterkant zur Bühne für moderne nordische Küche. Das Restaurant arbeitet mit einer offenen Showküche, in der Gäste die Zubereitung direkt verfolgen können. Auf der Karte stehen Fisch und Seafood ebenso wie Fleisch und vegetarische Gerichte. Genau das passt für mich zur Adresse: Hafen, Fisch, offene Küche – aber zeitgemäß interpretiert.Und wieder bleibt Hamburg optisch Teil des Abends. Man sitzt nicht irgendwo in einem abgeschlossenen Hotelrestaurant, sondern behält das Gefühl für den Ort.
DAVID’S: Bar, Kamin und ein unkomplizierter Zwischenstopp
Im Erdgeschoss wartet David's Bar & Lounge mit angeschlossener Kaminlounge. Der Name ist tatsächlich geografisches Programm: Die Bar blickt auf die namensgebende Davidstraße, den Hafen und die Docks von Blohm+Voss. Auf der Karte finden sich unter anderem Kaffee, Wein, Longdrinks und Cocktails. DAVID’S im Empire Riverside Für mich ist das der unkomplizierte Teil des Hauses: ankommen, in einen Sessel sinken, einen Drink nehmen und dann entscheiden, ob der Abend im Restaurant, auf St. Pauli oder 20 Stockwerke weiter oben weitergeht.
Skyline Bar 20up: Cocktails über dem Hamburger Hafen
Und dann natürlich die Skyline Bar 20up. Im 20. Stock und rund 90 Meter über Hamburg blickt man über Hafen und Elbe. Die Bar ist damit nicht nur ein gastronomischer Teil des Hotels, sondern fast schon ein Aussichtspunkt mit Cocktailkarte. Mein Tipp: kurz vor Sonnenuntergang hinauffahren. Zuerst verändert sich das Licht über dem Hafen. Dann gehen unten nach und nach die Lichter an und Hamburg bekommt plötzlich eine völlig andere Dramaturgie. Skyline Bar 20up und Restaurants Das Schöne: Das 20up funktioniert nicht nur wegen seiner Aussicht. Cocktails, Wein und Bar-Atmosphäre machen den Ort zum abendlichen Bestandteil des Hotelkonzepts. Aber seien wir ehrlich: Wenn Hamburg aus rund 90 Metern Höhe vor einem liegt, bekommt selbst der beste Drink ernsthafte Konkurrenz.
Warum im Empire Riverside Hotel übernachten?
Weil man das Haus theoretisch kaum verlassen müsste, um innerhalb eines Tages mehrere Seiten Hamburgs zu erleben. Morgens Frühstück mit Hafenblick, zwischendurch ein Drink im DAVID’S, am Abend nordische Küche im waterkant und anschließend ein Cocktail im 20up. Und sobald man vor die Tür tritt, steht man mitten auf St. Pauli. Das Empire Riverside ist für mich deshalb weniger klassisches „Luxushotel“ als vielmehr Hamburg-Erlebnis mit Zimmer: urban, unmittelbar und ein wenig rougher als das Conrad und gerade deshalb die perfekte Ergänzung.
Im Gespräch mit Enrico Ungermann, General Manager des Empire Riverside, wird schnell deutlich, dass ein Hotel heute nicht allein über Architektur, Zimmer oder Lage funktioniert. Eine der größten Herausforderungen sieht er darin, gute Mitarbeiter:innen zu gewinnen und sie vor allem langfristig für ein Haus zu begeistern. Dabei habe sich auch sein eigener Führungsstil über die Jahre grundlegend verändert. „Es geht nicht immer von oben herab, sondern darum, Themen miteinander anzugehen und auch den Input aus den Teams aufzunehmen.“ Bemerkenswert finde ich dabei seine Haltung zur viel zitierten Formel „Der Gast ist König“. Gastfreundschaft bedeutet für ihn nicht, dass Wertschätzung nur in eine Richtung funktionieren darf: „Wir sind Dienstleister, aber keine Dienstboten.“ Ein Satz, der zunächst kantig klingt, dahinter steckt aber ein wichtiger Wandel der Branche: Wer gute Gastgeber:innen halten möchte, muss nicht nur über Servicequalität gegenüber Gästen sprechen, sondern ebenso über Respekt gegenüber jenen Menschen, die diesen Service überhaupt möglich machen.
Conrad oder Empire Riverside: Welches Hotel in Hamburg passt zu wem?
Wer Hamburg zum ersten Mal besucht, könnte nun fragen: Welches der beiden Hotels ist besser? Ich würde die Frage anders stellen: Welches Hamburg möchte ich morgens vor meiner Tür haben? Das Conrad Hamburg würde ich wählen, wenn Innenstadt, Alster, Shopping, großzügiges Raumgefühl, internationale Luxushotellerie und ein besonders ausgeprägtes kulinarisches Frühstückserlebnis wichtig sind. Das Empire Riverside Hotel ist meine Wahl, wenn Hafenblick, St. Pauli, Elbe, Nightlife und dieses unverwechselbare maritime Hamburg-Gefühl im Mittelpunkt stehen sollen.
Und wer mehrere Tage Zeit hat, kann es einfach so machen wie ich: den Aufenthalt aufteilen. Denn ein Hotelwechsel wird hier fast zum Perspektivwechsel: erst Hamburg City, dann Hamburg Hafen. Und vielleicht ist genau das die beste Antwort auf die Frage, wo man in Hamburg übernachten sollte: nicht nur dort, wo man gut schläft, sondern dort, wo man die Stadt schon beim Aufwachen erlebt.



