Hamburg zu Fuß entdecken
Die schönsten Sehenswürdigkeiten zwischen Hafen und St. Pauli
21. Oktober 2026 · Alexandra Gorsche

Was muss man in Hamburg gesehen haben? Speicherstadt, Elbphilharmonie und Landungsbrücken gehören zu den Klassikern, der Grüne Bunker und St. Pauli zeigen ganz andere Seiten der Hansestadt. Doch Hamburgs vielleicht schönste Sehenswürdigkeit ist der Weg dazwischen: zu Fuß am Wasser entlang, vorbei an Backstein, Hafenkränen und Elbe. Ein persönlicher Sightseeing-Guide für Hamburg. Hamburg ist keine Stadt, die einem an jeder Ecke zuruft: „Schau mich an.“ Sie lässt einen ein bisschen arbeiten und genau das macht sie so reizvoll. Man läuft los, biegt um eine Ecke und plötzlich liegt Wasser vor einem. Ein Containerschiff zieht über die Elbe, roter Backstein trifft auf Glas, Hafenkräne werden Teil der Skyline und hinter der nächsten Brücke wartet schon wieder eine andere Perspektive.
Natürlich gehören Speicherstadt, Elbphilharmonie, Landungsbrücken, St. Pauli und der Grüne Bunker zu jenen Sehenswürdigkeiten in Hamburg, die man gesehen haben sollte. Aber nach einigen Tagen in der Hansestadt ist für mich klar: Hamburg funktioniert anders, wenn man es zu Fuß und letztlich das Lebensgefühl der Stadt erlebt. Also: bequeme Schuhe anziehen. Wir gehen Hamburg entdecken.
Speicherstadt und Kontorhausviertel: Hamburgs Geschichte aus Backstein
Wer Hamburg verstehen möchte, sollte in der Speicherstadt beginnen. Seit 2015 gehören die Speicherstadt und das Kontorhausviertel mit dem berühmten Chilehaus zum UNESCO-Welterbe. Die Speicherstadt gilt als größtes historisches Lagerhausensemble der Welt und entstand ab Ende des 19. Jahrhunderts auf tausenden Eichenpfählen.
Diese Architektur ist Wirtschaftsarchitektur. Hier wurden Waren bewegt, gelagert und gehandelt. Kaffee, Tee und Gewürze gehörten zu jenen Produkten, die Hamburg wirtschaftlich prägten und bis heute eng mit der Genussgeschichte der Hafenstadt verbunden sind. Wer durch die Straßen und über die Brücken läuft, bekommt deshalb nicht nur eines der bekanntesten Fotomotive Hamburgs zu sehen. Man bewegt sich durch ein Stück Handelsgeschichte. Und dann reicht oft schon ein kurzer Spaziergang weiter Richtung HafenCity: Historische Speicher stehen plötzlich zeitgenössischer Architektur gegenüber. Vergangenheit und Gegenwart stehen hier buchstäblich nebeneinander.
© Liggraphy / Pixabay
© Christian Brandes
Elbphilharmonie Hamburg: Konzerthaus, Architektur und Aussichtspunkt
Die Elbphilharmonie ist einerseits ein spektakuläres Konzerthaus, andererseits ein Stück Stadtentwicklung aus Glas und Backstein. Das Architekturbüro Herzog & de Meuron setzte den gläsernen Neubau auf den historischen Kaispeicher A. Und eigentlich erzählt bereits dieser Kontrast viel über Hamburg: Das Alte verschwindet nicht, sondern wird Teil von etwas Neuem.
Schon der Weg nach oben gehört zur Inszenierung. Die sogenannte Tube, eine 82 Meter lange gebogene Rolltreppe, führt durch das Gebäude hinauf. Oben wartet die Plaza auf 37 Metern Höhe und eröffnet neue Perspektiven auf Hafen, Speicherstadt und City. Und genau hier merkt man: Man muss nicht einmal ein Konzert besuchen, um die Elbphilharmonie zu erleben. Für mich tatsächlich ein Must-see bei einem ersten Hamburg-Besuch.
© Lacherlott / Pixabay
© Christian Brandes
© Christian Brandes
© Christian Brandes
Landungsbrücken: Erst einmal stehen bleiben
Die St. Pauli Landungsbrücken sind vielleicht der unkomplizierteste Hamburg-Moment überhaupt. Die schwimmende Anlage erstreckt sich über rund 700 Meter und ist Ausgangspunkt für Hafenrundfahrten und Fähren unter anderem Richtung Finkenwerder. Mein Rat: nicht sofort irgendwo einsteigen. Erst einmal stehen bleiben. Schiffe beobachten. Den Wind merken. Das Treiben am Wasser verfolgen. Und unbedingt ein Fischbrötchen holen. Denn genau hier kommt vieles zusammen, was Hamburg so eigen macht: touristische Sehenswürdigkeit und echte Hafeninfrastruktur, Alltag und Postkartenmotiv.Und während anderswo Aussichtspunkte geschaffen werden müssen, reicht hier manchmal tatsächlich die Kaimauer.
Hamburg an der Elbe zu Fuß entdecken: Von den Landungsbrücken Richtung Övelgönne
Hamburg braucht Bewegung. Besonders schön erschließt sie sich entlang des Wassers. Landungsbrücken, Jan-Fedder-Promenade, Fischmarkt, Övelgönne: Mit jedem Abschnitt verändert sich die Perspektive auf Elbe und Hafen. Die Jan-Fedder-Promenade verbindet die Landungsbrücken mit dem Baumwall und führt direkt am Wasser entlang. Wer mehr Zeit und Lust auf Bewegung hat, zieht weiter Richtung Fischmarkt und Övelgönne. Irgendwann werden aus Hafenpanorama sogar Elbstrand und beinahe Urlaubsgefühl. Hamburg Tourismus beschreibt die Möglichkeiten entlang der Elbe passend als „Beach Hopping“. Das Schöne daran: Man muss nicht ständig irgendwo ankommen. Der Weg ist hier tatsächlich ein Teil des Sightseeings. Fähren ziehen vorbei, Kräne verschieben sich am Horizont und die Stadt zeigt mit jedem Kilometer eine andere Seite.
© Christian Brandes
© Christian Brandes
© Christian Brandes
© Thomas G. / Pixabay
© Lisa Knauer
© Lisa Knauer
Grüner Bunker St. Pauli: Geschichte nicht überbauen, sondern sichtbar lassen
Der Bunker St. Pauli ist einer jener Orte, bei denen man genauer hinschauen sollte. Der ehemalige Flakbunker wurde 1942 innerhalb von nur 300 Tagen errichtet; dabei kamen auch Zwangsarbeiter zum Einsatz. Heute verbindet das Gebäude seine schwierige Geschichte mit Kultur, urbaner Nutzung und einem spektakulär begrünten Dach.
Über einen bepflanzten, spiralförmig angelegten Bergpfad geht es außen am Gebäude nach oben. Oben wartet ein öffentlicher Dachgarten mit 360-Grad-Perspektiven über Hamburg. Architektonisch ist das faszinierend. Trotzdem sollte man den Ort nicht auf ein „Instagrammable Rooftop“ reduzieren. Denn die Geschichte des Gebäudes bleibt Teil seiner Identität und genau diese Gleichzeitigkeit macht den Bunker so interessant. Heute vereint der Grüne Bunker öffentlichen Dachgarten, Hotel, Gastronomie, Kultur und Veranstaltungsflächen. Vom Bergpfad eröffnen sich immer wieder neue Perspektiven auf Hamburg – unter anderem auf das unmittelbar benachbarte Millerntor-Stadion, die Heimat des FC St. Pauli. Gut zu wissen: Der Spaziergang über den Bergpfad und der Besuch des Dachgartens sind kostenfrei. Ein ziemlich spektakulärer Hamburg-Blick zum Nulltarif.
© Christian Brandes
© Christian Brandes
© Christian Brandes
© Christian Brandes
St. Pauli: Wo Hamburg lauter wird
Irgendwann sollte man in Hamburg auch dort landen, wo es weniger hanseatisch-zurückhaltend wird. St. Pauli ist Nachtleben, Clubs, Bars, Fußball, Subkultur und Musikgeschichte, ein eigener Mikrokosmos innerhalb der Stadt. Und wer heute durch die Große Freiheit läuft, bewegt sich tatsächlich auf international bedeutendem musikgeschichtlichem Boden. Am 17. August 1960 begann im Indra ein entscheidendes Kapitel der Hamburger Geschichte der Beatles. Die damals noch weitgehend unbekannte Band spielte während ihrer Hamburger Zeit zahlreiche Auftritte in den Clubs von St. Pauli; die Stadt wurde zu einer wichtigen Station ihrer frühen Entwicklung.
Wer das weiß, läuft anders durch diese Straßen. Plötzlich ist St. Pauli nicht nur Ausgehviertel, sondern ein Stück internationale Musikgeschichte. Und genau das gefällt mir an Hamburg: Hinter Orten, die man vermeintlich kennt, wartet oft noch eine zweite Geschichte.
© Bernd Hildebrandt / Pixabay
© Francesco Ronge / Pixabay
Hamburg ist am schönsten zwischen den Sehenswürdigkeiten
Das vielleicht Wichtigste nach diesen Tagen: Hamburg sollte man nicht ausschließlich über eine Checkliste erleben.
Elbphilharmonie: erledigt.
Speicherstadt: erledigt.
Bunker: erledigt.
Das wäre schade. Denn oft sind es die Momente dazwischen, die bleiben: eine Fähre, die über die Elbe zieht. Möwen über den Landungsbrücken. Backstein im Abendlicht. Hafenkräne am Horizont. Ein Fischbrötchen am Wasser. Ein Drink auf St. Pauli. Oder diese eine Straße, die plötzlich den Blick auf die Elbe freigibt. Eines ist jedenfalls sicher: Hamburg sieht uns wieder.



