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Wie schmeckt Madeira?

10 kulinarische Spezialitäten, die man probiert haben muss

01. November 2026 · Alexandra Gorsche

Madeira schmeckt nach Atlantik, Feuer, Lorbeer, Zuckerrohr, Wein und Früchten, deren Namen man vielleicht noch nie gehört hat. Dazu kommt eine neue Generation von Köch:innen, die Tradition nicht konserviert, sondern selbstbewusst weiterdenkt. Ein kulinarischer Streifzug über die Insel.

Madeira schmeckt nach mehr als Sonne

Knoblauch. Lorbeer. Feuer. Atlantikfisch. Zuckerrohr. Tropische Früchte. Madeirawein.

Die traditionelle Küche der Insel ist oft erstaunlich unkompliziert und gerade darin liegt ihre Stärke. Gute Produkte brauchen hier nicht immer viel Inszenierung. Gleichzeitig erlebt Madeira kulinarisch gerade einen spannenden Wandel: Junge wie etablierte Köch:innen nehmen bekannte Geschmäcker, Gerichte und Zutaten und übersetzen sie in eine moderne, teilweise sehr internationale Küche. Ungeachtet dessen, gibt es traditionelle Gerichte, die man probiert haben muss, wenn man auf der Insel ist.

1. Bolo do Caco: Brot mit Suchtpotenzial

Wer Madeira besucht und kein Bolo do Caco isst, hat kulinarisch etwas Wesentliches ausgelassen. Das flache Brot wird traditionell mit Süßkartoffel zubereitet und warm serviert, häufig mit reichlich Knoblauch-Petersilien-Butter. Außen leicht geröstet, innen weich und saftig. Eigentlich simpel. Und genau deshalb gefährlich gut.

Streetfood-Tipp: Casa do Bolo do Caco

Besonders schön fand ich die Casa do Bolo do Caco in Funchal. Hier sieht man, wie das Brot direkt vor einem zubereitet wird. Neben der klassischen Version gibt es unterschiedliche Varianten, unter anderem mit Chouriço.

Warm, würzig, herzhaft und frisch vom Feuer: einfach himmlisch.

GENUSSPUNKT-Tipp: Nicht nur einmal bestellen. Bolo do Caco passt zum Frühstück, als Snack und eigentlich zu fast allem.

2. Pastéis de Nata: Portugals kleiner Glücksmoment

Sie sind keine ausschließlich madeirische Spezialität, gehören aber auch auf Madeira zum kulinarischen Alltag: Pastéis de Nata. Kleine Blätterteigtörtchen mit einer cremigen Eierfüllung und leicht karamellisierter Oberfläche. Am besten sind sie noch ein wenig warm, wenn der Blätterteig außen knuspert und die Füllung innen fast puddingartig bleibt. Bei unserem Frühstück im Barceló Funchal Oldtown gehörten sie gemeinsam mit Bolo do Caco und der großartigen Auswahl an Früchten zu den Dingen, bei denen man sehr schnell vergisst, dass Frühstück eigentlich nur eine Mahlzeit sein sollte.

GENUSSPUNKT-Tipp: Ein Pastel de Nata und ein Espresso zwischendurch, manchmal braucht guter Reisegenuss wirklich nicht mehr.

3. Espetada: Madeira über offenem Feuer

Die Espetada gehört zu den großen Klassikern Madeiras. Rindfleisch wird traditionell auf einen Spieß gesteckt und über offenem Feuer gegrillt. Besonders charakteristisch ist die Verbindung mit Lorbeer und Knoblauch. Wir bekamen Espetada nach unserer Harvest Experience auf Blandy’s Quinta do Bispo in São Jorge serviert. Nach Weinlese, Traubenstampfen und Stunden zwischen den Reben schmeckt so ein Gericht vermutlich ohnehin noch einmal anders.

Aber genau das ist das Schöne daran: Espetada will nicht kompliziert sein.

Fleisch, Feuer, Lorbeer und Madeira.

 

4. Dazu gehört: Milho Frito

Nicht übersehen sollte man dabei Milho Frito. Dafür wird Maisbrei gekocht, ausgekühlt, in kleine Würfel geschnitten und anschließend goldbraun frittiert. Das Ergebnis: außen knusprig, innen weich. Auf Madeira wird Milho Frito sehr häufig zur Espetada serviert und spätestens nach dem ersten Stück versteht man auch warum.

GENUSSPUNKT-Tipp: Bloß nicht als langweilige Beilage abtun. Frisch und heiß ist Milho Frito eines dieser einfachen Dinge, die überraschend schnell verschwinden.

5. Espada, nicht mit Espetada verwechseln

Zwei Wörter, die Madeira-Neulinge schnell durcheinanderbringen:

Espetada ist der Fleischspieß.
Espada ist der Schwarze Degenfisch.

Der Schwarze Degenfisch, auf Madeira Espada Preto genannt, gehört zu den kulinarischen Klassikern der Insel. Sein Aussehen ist durchaus gewöhnungsbedürftig: tiefschwarz, lang und mit beeindruckenden Zähnen. Der Fisch lebt in großen Tiefen. Besonders typisch ist die Kombination von Espada mit Madeira-Banane. Fisch und Banane?Klingt im ersten Moment ungewöhnlich. Funktioniert auf Madeira aber genau deshalb so gut, weil hier zwei sehr typische Produkte der Insel zusammenkommen. Serviert wird er in zahlreichen Lokalen, unter anderem im Vila do peixe in Câmara de Lobos.

Wer den außergewöhnlichen Tiefseefisch einmal im Ganzen sehen möchte, sollte die Fischhalle des Mercado dos Lavradores in Funchal besuchen. Dort wird Espada frisch angeboten, ein spannender Einblick in Madeiras Fischereitradition.

6. Früchte: Madeira ist ein kleines kulinarisches Tropenlabor

Ich würde allein wegen der Früchte wieder auf den Markt gehen. Madeiras Klima bringt eine unglaubliche Vielfalt hervor – und viele Sorten schmecken dort deutlich intensiver, als man sie aus Mitteleuropa kennt. Unbedingt probieren:

Madeira-Bananen: kleiner und kompakter als viele handelsübliche Bananen, wunderbar süß und cremig.

Anona: außen eher unscheinbar, innen weich, cremig und beinahe puddingartig.

Maracuja: auf Madeira begegnet man unterschiedlichen Sorten und Aromaprofilen.

Und dann gibt es noch eine Frucht, bei der man erst einmal fragt: Was ist denn das?

Fruto Delicioso: Die Frucht der Monstera deliciosa sieht ein wenig aus wie eine Mischung aus grüner Maiskolbe und exotischem Urzeitgewächs.

Reif erinnert ihr Geschmack an Banane, Ananas und Anona.

Wichtig: Sie darf erst gegessen werden, wenn sie wirklich reif ist und sich die äußeren Segmente zu lösen beginnen.

Für genau solche Entdeckungen gehört der Mercado dos Lavradores in Funchal für mich unbedingt zu einer kulinarischen Madeira-Reise.

Mein Tipp: Nicht nur fotografieren. Fragen und probieren.

7. Poncha: süffiger, als sie sein sollte

Ein Madeira-Besuch ohne Poncha wäre ungefähr so, als würde man Wien besuchen und Kaffee ignorieren.Die klassische Basis bilden Aguardente de Cana, Zitrus und Süße. Der Zuckerrohrbrand verleiht dem Getränk seine charakteristische Kraft. Und gerade deshalb eine kleine Warnung: Poncha schmeckt deutlich harmloser, als sie ist.

Mein Poncha-Tipp: Vila do Peixe

Bei unserem Lunch im Vila do Peixe in Câmara de Lobos wurde die Poncha direkt vor unseren Augen frisch zubereitet. Dazu dieser Blick über den Hafen und Atlantik. Genau dort bekommt das Getränk plötzlich einen ganz anderen Kontext. Denn Poncha ist nicht bloß Cocktail oder Urlaubsgag, sie ist eng mit Zuckerrohr, Fischerei und der Geschichte der Insel verbunden.

8. Madeirawein: bitte niemals einfach „süßer Wein“ sagen

Wer Madeirawein bisher ausschließlich unter „süßer Digestif“ abgespeichert hat, darf dieses Kapitel neu öffnen. Die Bandbreite ist enorm.

Zu den klassischen Rebsorten gehören:

Sercial – typischerweise trockener
Verdelho – eher halbtrocken
Bual/Boal – voller und halbsüß
Malvasia/Malmsey – reich und süß

Daneben spielen unter anderem Tinta Negra und seltenere traditionelle Rebsorten eine Rolle. Gerade deshalb lohnt sich eine Verkostung mehrerer Stilrichtungen nebeneinander. Und noch besser: Geht in die Weinberge!

Unsere Harvest Experience auf Blandy’s Quinta do Bispo war eines meiner Highlights der gesamten Reise.Wir standen nicht nur zwischen den Reben, sondern stampften die Trauben ganz traditionell mit den Füßen.Steillagen, Terrassen, Handarbeit und Klima werden plötzlich greifbar.Und genau dann versteht man, weshalb Madeirawein eben nicht einfach ein Getränk ist, sondern Teil der Geschichte und Identität der Insel.

9. Madeira-Rum: flüssige Geschichte aus Zuckerrohr

Neben Wein erzählt auch Zuckerrohr viel über Madeira. Schon im 15. Jahrhundert wurde es auf der Insel angebaut und entwickelte sich zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Zucker war zeitweise das sprichwörtliche „weiße Gold“ Madeiras.

Aus dieser Geschichte entstand auch eine bis heute lebendige Rumkultur.

Das Besondere: Madeira-Rum wird aus frischem Zuckerrohrsaft hergestellt und nicht aus Melasse. Der Zuckerrohrsaft wird vergoren und destilliert. Es gibt jungen, klaren Rum ebenso wie im Holzfass gereifte Varianten. Und hier schließt sich wieder der Kreis zur Poncha: Aguardente de Cana, der madeirische Zuckerrohrbrand, bildet ihre alkoholische Basis.

GENUSSPUNKT-Tipp: Eine Rum-Destillerie besuchen. Wenn man Zuckerrohr, Verarbeitung und Destillation gesehen hat, bekommt selbst das nächste Glas Poncha plötzlich mehr Tiefe. Oder anders gesagt: Madeira-Rum ist die flüssige Verlängerung der Zuckerrohrfelder, ein Stück Inselgeschichte im Glas.

10. Süße Mitbringsel aus Funchal

Wer am Ende noch etwas Madeira mit nach Hause nehmen möchte, sollte sich zwei Adressen merken.

Unbedingt kosten beziehungsweise einpacken: Bolo de Mel de Cana da Madeira, den traditionellen madeirischen Zuckerrohrhonig-Kuchen, sowie die verschiedenen Bolachas, Biscoitos und Broas, darunter Gebäcke mit Mel de Cana. Und das gibt es alles in der traditionsreichen Fábrica Santo António, die bereits seit dem 19. Jahrhundert für Gebäck und Kekse steht.

Bei UAUCacau treffen handwerklich gefertigte Pralinen auf Aromen der Insel: etwa Madeirawein, Poncha, Mel de Cana, Maracuja oder Banane.

GENUSSPUNKT-Tipp: Man könnte sie natürlich als Souvenirs mitbringen. Die größere Herausforderung besteht eher darin, dass sie die Heimreise tatsächlich überleben.

Schauen, was gerade los ist: Madeira kann auch Festival

Auf der Insel ist auch erstaunlich viel los: Weinveranstaltungen, Feste, kulinarische Festivals und Events finden über das Jahr verteilt statt. Deshalb lohnt es sich unbedingt, vor der Reise einen Blick in den Veranstaltungskalender zu werfen. Manchmal ergibt sich daraus ein Erlebnis, das man so gar nicht geplant hätte. Wir hatten die Gelegenheit, das Gourmet Festival im Casa Velha do Palheiro zu besuchen. Unterschiedliche Köch:innen und kulinarische Handschriften trafen hier aufeinander, entsprechend vielfältig waren auch die Gerichte: modern, international, teilweise von Fusion geprägt und dennoch immer wieder mit Produkten und Aromen Madeiras verbunden. Genau das machte den Abend spannend: zu sehen, wie unterschiedlich die Insel heute kulinarisch interpretiert wird, weit über die klassischen Gerichte hinaus. Auch rund um den Wein gibt es auf Madeira immer wieder Veranstaltungen und Feste. Unser Tipp deshalb ganz einfach: Nicht nur Restaurants und Ausflüge vorab recherchieren, sondern auch schauen, was während des Aufenthalts gerade auf der Insel stattfindet. Es könnte einer der besten Programmpunkte der Reise werden.

Mein kulinarisches Madeira-Fazit

Madeira ist ursprünglich und authentisch:

Ein warmes Bolo do Caco.
Fisch aus dem Atlantik.
Rindfleisch über Feuer.
Ein Stück Milho Frito.
Eine süße kleine Banane.
Ein Glas Madeirawein.

Und daneben eine Generation von Köch:innen, die all diese Produkte nimmt und fragt: Was können wir daraus noch machen?Genau diese Mischung aus Bodenständigkeit und Aufbruch macht Madeira für mich zu einer der spannendsten Genussdestinationen im Atlantik. Man kommt vielleicht wegen Landschaft und Klima. Aber Madeira schmeckt sich erstaunlich schnell ins Gedächtnis.

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