Aus 50 Best wird The 50
Lisa Green erklärt, wie Rankings, Discovery und internationale Netzwerke die Zukunft der Hospitality prägen sollen
20. Oktober 2026 · Alexandra Gorsche

Von den World’s 50 Best Restaurants zur globalen Hospitality-Plattform: Unter dem Namen The 50 wachsen Restaurants, Bars, Hotels, Weingüter und eine ganze Welt kulinarischer Erlebnisse zusammen. Doch hinter dem neuen Markenauftritt steckt eine viel größere Frage: Kann eine der einflussreichsten Ranking-Institutionen der Welt zum Impulsgeber einer ganzen Branche werden? GENUSSPUNKT spricht mit Lisa Green, Managing Director of Content bei The 50, über Einfluss, Unabhängigkeit und die Zukunft der Hospitality.
Marke mit Strahlkraft
Ein Platz auf einer 50-Best-Liste kann Karrieren verändern. Restaurants über Nacht ins internationale Rampenlicht rücken, Reisende um die halbe Welt locken und bislang unbekannten Destinationen zu globaler Aufmerksamkeit verhelfen. Kaum eine Marke besitzt in der internationalen Hospitality-Branche eine vergleichbare Strahlkraft.
Doch die Welt der Gastlichkeit verändert sich. Und mit ihr jene Marke, die diese Entwicklung seit mehr als zwei Jahrzehnten mitprägt. Was 2002 als Restaurant-Ranking begann, ist längst zu einem internationalen Netzwerk aus Restaurants, Bars, Hotels, Weingütern, redaktionellen Inhalten, Veranstaltungen und The 50 Discovery gewachsen. Nun werden diese Aktivitäten unter einer gemeinsamen Marke gebündelt: The 50.
Dahinter steckt weit mehr als ein neuer Name. Es ist der Anspruch, über den jährlichen Moment der Auszeichnung hinauszuwachsen und ganzjährig Teil jener Gespräche zu sein, die die Zukunft der Branche bestimmen. Für Lisa Green, Managing Director of Content bei The 50, war diese Entwicklung kein plötzlicher Wendepunkt. „Der Name 50 Best beschrieb unsere Rankings nach wie vor sehr treffend. Aber er spiegelte längst nicht mehr die ganze Bandbreite unserer Arbeit wider. Mit The 50 geben wir etwas, das bereits gewachsen ist, einen gemeinsamen Namen und eine gemeinsame Plattform.“
Mehr als ein Abend im Rampenlicht
Die Preisverleihungen bleiben die sichtbarsten Höhepunkte der Marke. Doch Spitzenhotellerie und Spitzengastronomie folgen keinem jährlichen Veranstaltungskalender. Restaurants entwickeln neue Konzepte, Küchenchefs hinterfragen ihre Menüs, Barkeeper experimentieren mit Zutaten und Hotels reagieren auf veränderte Gästewünsche. Innovation wartet nicht auf den nächsten Award. Und Gäste, die nach neuen Erlebnissen suchen, ebenso wenig.
„Die Hospitality-Branche funktioniert schlicht nicht nach einem Jahreskalender“, erklärt Green. Für The 50 bedeutet das, Auszeichnungen nicht länger ausschließlich als Höhepunkt zu betrachten, sondern auch als Ausgangspunkt für eine kontinuierliche Beziehung. Redaktionelle Inhalte, internationale Branchentreffen und Communities sollen den Austausch weit über die Veröffentlichung der Rankings hinaus fördern. Für gastronomische Betriebe ist dieser Unterschied wesentlich: Eine Auszeichnung schafft Aufmerksamkeit. Kontinuierliche Sichtbarkeit kann daraus langfristige Relevanz machen.
The 50 Discovery: Exzellenz endet nicht bei Platz 50
Einer der spannendsten Bestandteile des neuen Markenuniversums ist The 50 Discovery. Denn selbst das renommierteste Ranking hat eine unvermeidliche Grenze: Auf einer Top-50-Liste finden lediglich 50 Betriebe Platz. Doch was ist mit jenem kleinen Restaurant, das außergewöhnliche Küche bietet? Mit einer unabhängigen Bar, die ihre ganz eigene Cocktailkultur entwickelt? Oder mit einem Boutiquehotel, das eine Destination prägt, ohne jemals auf einer internationalen Bestenliste zu erscheinen? Genau hier setzt Discovery an. „Eine Liste kann immer nur einen Teil der Geschichte erzählen. Einige der spannendsten Orte der Welt schaffen es möglicherweise gar nicht auf eine solche Liste“, sagt Green.
Mit einer breiteren Auswahl an gastronomischen Adressen und Hotels erweitert Discovery die Perspektive über die eigentlichen Rankings hinaus. Reisende erhalten zusätzliche Inspiration, während Betriebe die Chance bekommen, von einem internationalen Publikum entdeckt zu werden. Gerade für die Hospitality-Branche könnte das zu einem der bedeutendsten Aspekte dieser Neuausrichtung werden. Denn Exzellenz ist nicht auf Ranglisten beschränkt. Und Sichtbarkeit sollte nicht zwangsläufig bei Platz 50 enden.
Wer Einfluss hat, trägt Verantwortung
Mit wachsender Reichweite stellt sich allerdings auch eine entscheidende Frage. The 50 vereint künftig Rankings, redaktionelle Inhalte, Veranstaltungen, Communities und kommerzielle Partnerschaften unter einer gemeinsamen Marke. Das eröffnet neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit, macht klare Grenzen aber umso wichtiger. Wie gelingt es einer Organisation, ihre wirtschaftlichen und redaktionellen Aktivitäten auszubauen, ohne die Unabhängigkeit jener Rankings zu gefährden, auf denen ihre Reputation beruht? Green antwortet unmissverständlich: „Unsere Abstimmungsgremien sind unabhängig, unsere Bewertungsmethoden etabliert und öffentlich einsehbar, und der Abstimmungsprozess wird unabhängig kontrolliert. Partner haben keinerlei Einfluss darauf, wer abstimmt oder wie abgestimmt wird. Diese Trennung würden wir niemals aufs Spiel setzen.“
An den Verfahren zur Erstellung der Rankings ändere die neue Markenstruktur nichts. Unabhängigkeit, Integrität und Transparenz bleiben laut Green zentrale Grundsätze der Organisation. Gerade mit dem Ausbau der Plattform gewinnt dieses Bekenntnis zusätzlich an Bedeutung. Denn Rankings spiegeln Reputation nicht nur wider. Sie können sie aktiv beeinflussen. Eine Spitzenplatzierung kann Reiseentscheidungen, Investitionen, Personalgewinnung und die Wahrnehmung ganzer Destinationen verändern. Glaubwürdigkeit ist deshalb kein schmückendes Qualitätsmerkmal, sondern das Fundament, auf dem sämtliche weiteren Ambitionen von The 50 aufbauen.
Vom globalen Ranking zum internationalen Wissensnetzwerk
Die Herausforderungen der Hospitality-Branche machen vor Landesgrenzen kaum halt. Fachkräftemangel, verändertes Konsumverhalten, Nachhaltigkeitsdruck, technologischer Fortschritt und der zunehmende Einfluss künstlicher Intelligenz verändern gastronomische und touristische Geschäftsmodelle weltweit. Die Antworten darauf entstehen allerdings häufig im Kleinen: in einzelnen Küchen, Restaurants, Bars und Hotels. Green sieht genau darin eine Chance. The 50 könnte diese Erfahrungen stärker vernetzen und dafür sorgen, dass erfolgreiche Ideen auch über regionale Grenzen hinaus Wirkung entfalten. „Viele Herausforderungen, vor denen unsere Branche steht, sind in den unterschiedlichsten Märkten dieselben. Und erstaunlich oft gilt das auch für die Lösungen.“
Damit erweitert sich die mögliche Rolle der Marke erheblich. Auszeichnungen bleiben zentral. Gleichzeitig möchte The 50 den internationalen Wissenstransfer fördern, Kooperationen ermöglichen und die weltweite Hospitality-Community näher zusammenbringen. Gerade für junge Talente könnte ein solches Netzwerk mehr bieten als eine Auszeichnung: neue Kontakte, internationale Perspektiven und das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Das erklärte Ziel ist es, zu einer positiven Kraft für die Hospitality-Branche zu werden. Ob daraus tatsächlich messbare Vorteile für Betriebe und ihre Teams entstehen, wird eine der spannendsten Fragen der kommenden Jahre sein.
Wenn ein Ranking ganze Destinationen verändert
Der Einfluss internationaler Hospitality-Rankings reicht weit über jene Betriebe hinaus, die auf den Listen erscheinen. Ein ausgezeichnetes Restaurant kann internationale Gäste in eine Stadt locken. Eine Preisverleihung kann die Aufmerksamkeit der Welt auf eine bislang unterschätzte Destination lenken. Und ein zuvor wenig bekannter Betrieb kann plötzlich mit einer Nachfrage konfrontiert sein, die sämtliche Erwartungen übertrifft. Green ist sich dieser Verantwortung bewusst. „Ein Platz auf einer unserer Listen kann einen Betrieb praktisch über Nacht verändern. Und die Austragung einer unserer Veranstaltungen kann erhebliche Auswirkungen auf die gesamte Hospitality-Szene einer Stadt haben.“ Dabei solle die Aufmerksamkeit nicht ausschließlich den ausgezeichneten Betrieben zugutekommen, sondern auch den Menschen und Unternehmen in ihrem Umfeld. Ein wichtiger Gedanke in einer Zeit, in der der kulinarische Tourismus zunehmend die internationale Wahrnehmung ganzer Regionen prägt. Die entscheidende Frage lautet wie aus internationaler Anerkennung nachhaltiger Mehrwert für eine Destination entstehen kann.
Die wahre Bewährungsprobe beginnt zwischen den Awards
Wenn Lisa Green fünf Jahre vorausblickt, zeichnet sie ein bemerkenswertes Bild von Erfolg. Sie spricht nicht von größeren Preisverleihungen oder einer noch längeren Liste ausgezeichneter Betriebe. Stattdessen stellt sie sich eine Branche vor, die The 50 das ganze Jahr über als Teil ihres Netzwerks wahrnimmt. Reisende, die mithilfe von Discovery ihre nächste Reise planen. Menschen, die Geschichten lesen, Empfehlungen entdecken und anschließend Veranstaltungen besuchen, alles als zusammenhängendes Erlebnis. Vor allem aber soll das Vertrauen in die Rankings ungebrochen bleiben. Und dann ist da noch die nächste Generation. „Wenn ein junger Koch oder Barkeeper irgendwo auf der Welt das Gefühl hat, dass The 50 eine Gemeinschaft ist, zu der er gehören kann, wäre das für mich ein echtes Zeichen, dass wir den richtigen Schritt gemacht haben.“
Der Erfolg von The 50 wird sich daran zeigen, ob tatsächlich Menschen miteinander verbunden werden, Wissen zugänglich gemacht wird und neue Perspektiven eröffnen werden. Die Rankings haben 50 Best zu einer globalen Autorität gemacht. Was zwischen den Auszeichnungen geschieht, wird darüber entscheiden, was The 50 daraus macht.
Auf einen Blick: Was ist The 50?
The 50 ist die neue übergeordnete Marke, unter der die bisherigen 50-Best-Rankings, The 50 Discovery, redaktionelle Inhalte, Veranstaltungen und internationale Hospitality-Communities zusammengeführt werden. Das Spektrum umfasst Restaurants, Bars, Hotels und Weingüter. Ziel ist es, über einzelne Preisverleihungen hinaus eine ganzjährige Plattform für Inspiration, Wissenstransfer und internationale Vernetzung zu etablieren.



