Host America 2027
Warum die Hospitality-Branche jetzt verstärkt auf die USA blickt
01. September 2026 · Alexandra Gorsche

HostMilano expandiert in die Vereinigten Staaten: Gemeinsam mit der North American Association of Food Equipment Manufacturers, kurz NAFEM, bringt Fiera Milano die neue Plattform Host America nach Orlando. Vom 11. bis 13. Februar 2027 sollen internationale Hersteller dort auf einen der weltweit wichtigsten Märkte für professionelle Hospitality-, Foodservice- und Food-Retail-Lösungen treffen. Für europäische Unternehmen eröffnet die Kooperation neue Chancen, doch der Schritt zeigt auch, wie stark sich die Rolle internationaler Fachmessen verändert.
Host America findet 2027 im Rahmen der NAFEM Show in Orlando statt
Die internationale Messewirtschaft der Hospitality-Branche erhält einen neuen Knotenpunkt. Fiera Milano bringt die Marke Host erstmals in die Vereinigten Staaten und kooperiert dafür mit der North American Association of Food Equipment Manufacturers. Host America wird vom 11. bis 13. Februar 2027 im Rahmen der NAFEM Show in Orlando, Florida, stattfinden.
Damit verbindet sich die internationale Ausrichtung der HostMilano mit der Marktkenntnis und dem Branchennetzwerk einer der einflussreichsten nordamerikanischen Organisationen für professionelle Foodservice-Ausstattung. Im Mittelpunkt stehen nicht nur Produktpräsentationen, sondern vor allem der Zugang zu qualifizierten Einkäufern, Planern, Betreibern und Entscheidungsträgern aus Gastronomie, Hotellerie, Gemeinschaftsverpflegung und Food Retail.
Die Partnerschaft ist ein strategischer Schritt: Nach dem Start von Host Arabia in Riad baut Fiera Milano die Host-Marke gezielt in jenen Regionen aus, die für Hersteller von Küchentechnik, Kaffeelösungen, Kühlung, Einrichtung und professioneller Ausstattung besonders hohe Wachstumsperspektiven bieten.
USA als Schlüsselmarkt für professionelle Hospitality-Technologie
Die Vereinigten Staaten zählen zu den größten und dynamischsten Märkten für professionelle Hospitality- und Foodservice-Lösungen. Nach Analysen von ExportPlanning für das Host Milano Observatory stiegen die US-Importe in den Kernsegmenten der Messe von 22,5 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf 24,8 Milliarden Euro im Jahr 2025. Bis 2029 könnten sie sich der Marke von 27 Milliarden Euro nähern. Getrieben wird die Entwicklung unter anderem durch Investitionen in professionelle Technik für Kaffee, Bakery, Pastry und Gelato. Hinzu kommen strukturelle Veränderungen innerhalb der Branche: steigende Personalkosten, Fachkräftemangel, wachsende Anforderungen an Effizienz und Energieverbrauch sowie der zunehmende Bedarf an automatisierten und digital steuerbaren Prozessen.
Für Hersteller bedeutet das: Gefragt sind längst nicht mehr nur leistungsfähige Einzelgeräte. Betreiber suchen integrierte Lösungen, die Arbeitsabläufe vereinfachen, Ressourcen sparen, eine gleichbleibende Qualität ermöglichen und sich flexibel in unterschiedliche Betriebskonzepte einfügen lassen. Gerade in einem heterogenen Markt wie den USA, der von internationalen Hotelgruppen über große Foodservice-Betreiber bis zu unabhängigen Restaurants, Bäckereien und Coffee Shops reicht, kann dieser Lösungsansatz zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden.
Italien ist stärkster EU-Lieferant für den US-Markt
Eine zentrale Rolle nimmt dabei die italienische Industrie ein. Laut den für HostMilano erstellten ExportPlanning-Analysen ist Italien mittlerweile der siebtgrößte Lieferant der Vereinigten Staaten in den relevanten Produktsegmenten und zugleich der bedeutendste Anbieter innerhalb der Europäischen Union. Die italienischen Exporte in die USA erhöhten sich demnach von 395 Millionen Euro im Jahr 2019 auf 689 Millionen Euro im Jahr 2025. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 9,7 Prozent. Besonders stark ist Italien bei Bakery- und Pastry-Equipment positioniert. In diesem Bereich sollen italienische Unternehmen rund 28 Prozent der entsprechenden US-Importnachfrage abdecken. Noch dynamischer entwickelten sich die Exporte von Gelato-Technik und Kühllösungen. Zwischen 2019 und 2025 stieg das Volumen laut den vorliegenden Analysen von 71 Millionen auf 286 Millionen Euro. Damit haben sich die Ausfuhren innerhalb von sechs Jahren vervierfacht. Diese Zahlen belegen nicht nur die internationale Strahlkraft von „Made in Italy“. Sie zeigen zugleich, dass kulinarische Herkunft allein als Verkaufsargument nicht mehr genügt. Erfolgreich sind vor allem Anbieter, die Design, technologische Kompetenz, Energieeffizienz, Prozesssicherheit und ein tiefes Verständnis der jeweiligen Betreiberanforderungen miteinander verbinden.
Welche Bereiche bei Host America im Mittelpunkt stehen
Host America konzentriert sich auf vier Produktwelten, in denen europäische und insbesondere italienische Hersteller bereits eine starke internationale Position besitzen:
professionelle Kaffeeausstattung und Vending-Technologien,
Gelato-Technik und Kühllösungen,
Möbel, Tableware und Hospitality Design,
professionelle Bakery- und Pastry-Ausstattung.
Diese Bereiche stehen exemplarisch für eine Hospitality-Branche, in der die Grenzen zwischen Technik, Gestaltung und Gästeerlebnis zunehmend verschwimmen.
Eine Kaffeemaschine ist heute nicht mehr ausschließlich Produktionsmittel, sondern Teil eines Betriebskonzepts. Kühltechnik beeinflusst Produktqualität, Warenwirtschaft und Energieverbrauch. Möbel und Tableware prägen nicht nur die Ästhetik eines Raumes, sondern auch Aufenthaltsqualität, Markenwahrnehmung und Betriebsabläufe.
Auch Bakery- und Pastry-Lösungen an strategischer Bedeutung. Gefragt sind sowohl handwerklich geprägte Konzepte als auch, mit denen Betriebe auf veränderte Konsumgewohnheiten, kleinere Produktionsflächen und den Wunsch nach ganztägig verfügbaren Angeboten reagieren können.
Warum internationale Fachmessen wieder wichtiger werden
Digitale Produktinformationen, virtuelle Präsentationen und Online-Meetings haben die Kommunikation in der Hospitality-Branche beschleunigt. Sie ersetzen jedoch nicht jene Form des Austauschs, die entsteht, wenn Technik tatsächlich getestet, Material unmittelbar erlebt und eine Lösung im persönlichen Gespräch auf ihre Praxistauglichkeit geprüft werden kann. Gerade bei investitionsintensiven Produkten ist Vertrauen ein wesentlicher Faktor. Käufer wollen nicht nur technische Daten vergleichen, sondern wissen, wie zuverlässig Service, Wartung, Ersatzteilversorgung und Schulung funktionieren. Internationale Fachmessen schaffen dafür einen konzentrierten Raum. Sie bringen Hersteller, Händler, Planer, Betreiber, Architekten, Designer, Köche und Investoren zusammen – also genau jene Akteure, die an der Entstehung neuer Hospitality-Konzepte beteiligt sind.
Der Mehrwert liegt dabei zunehmend in der Verknüpfung unterschiedlicher Perspektiven. Ein Hotelprojekt wird heute nicht mehr isoliert über Interior Design oder Küchentechnik gedacht. Energieverbrauch, Automatisierung, Gästeerwartungen, Personalbedarf und Markeninszenierung müssen von Beginn an zusammenspielen.
Messen werden damit vom klassischen Produktschaufenster zur Entwicklungsplattform. Live-Demonstrationen, Workshops, Wettbewerbe, Fachgespräche und kuratierte Networking-Formate helfen, Markttrends nicht nur zu beobachten, sondern ihre konkrete Relevanz für den eigenen Betrieb zu beurteilen.
Was die neue Messe für Unternehmen aus dem DACH-Raum bedeutet
Auch für Hersteller und Hospitality-Unternehmen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz ist Host America relevant. Die USA sind wirtschaftlich attraktiv, gelten jedoch gleichzeitig als anspruchsvoller Markt.
Abweichende technische Normen, Zertifizierungen, Haftungsfragen, Logistik, Serviceabdeckung und regionale Unterschiede verlangen eine sorgfältige Vorbereitung. Eine erfolgreiche Marktbearbeitung beginnt daher nicht mit dem ersten Verkaufsabschluss, sondern mit belastbaren Partnerschaften und einem realistischen Verständnis der lokalen Anforderungen.
Die Kooperation von Host und NAFEM kann hier eine Brückenfunktion übernehmen. Internationale Aussteller erhalten Zugang zu einem etablierten Branchennetzwerk, während nordamerikanische Käufer neue europäische Technologien, Designansätze und Produktlösungen kennenlernen.
Für potenzielle Aussteller empfiehlt es sich, den Messeauftritt nicht als isolierte Präsentation zu betrachten. Entscheidend ist eine langfristige Strategie:
Marktreife prüfen: Produkte müssen den regulatorischen und technischen Anforderungen des US-Marktes entsprechen.
Servicepartner aufbauen: Ohne verlässliche Wartung, Ersatzteile und technische Unterstützung bleibt selbst ein innovatives Produkt für viele Betreiber uninteressant.
Anwendungsnutzen kommunizieren: Einkäufer benötigen konkrete Antworten zu Wirtschaftlichkeit, Personalentlastung, Energieverbrauch und Return on Investment.
Referenzen vorbereiten: Praxisbeispiele und nachvollziehbare Leistungsdaten schaffen mehr Vertrauen als allgemeine Innovationsversprechen.
Kontakte nachbearbeiten: Der wirtschaftliche Erfolg einer Messe entsteht häufig erst in den Wochen und Monaten danach.
Ein internationales Netzwerk zwischen Mailand, Riad und Orlando
Mit Host Arabia und Host America entwickelt Fiera Milano die Host-Marke zu einem internationalen Netzwerk weiter. Mailand, Riad und Orlando repräsentieren dabei drei Märkte mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Chancen. Während die Golfregion stark von neuen Hotel-, Tourismus- und Gastronomieprojekten geprägt ist, bieten die Vereinigten Staaten einen großen, etablierten und technologisch anspruchsvollen Foodservice-Markt. Mailand bleibt wiederum der internationale Treffpunkt, an dem die verschiedenen Bereiche der Hospitality-Industrie in besonders großer Breite zusammenkommen. Die Expansion zeigt, dass globale Fachmessen künftig stärker regional verankert sein müssen. Internationale Reichweite allein genügt nicht. Entscheidend ist die Verbindung mit Organisationen, Netzwerken und Marktkenntnissen vor Ort. Host America ist deshalb mehr als ein zusätzlicher Messetermin. Die Veranstaltung steht für eine neue Form der Internationalisierung: globale Markenkompetenz trifft auf regionale Branchenstruktur.
Wissen, Begegnung und Geschäft gehören zusammen
Die Hospitality-Branche befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderung. Neue Technologien versprechen Effizienz, während Gäste gleichzeitig mehr Individualität, Qualität und emotionale Erlebnisse erwarten. Betreiber müssen wirtschaftlicher arbeiten, ohne an Gastlichkeit zu verlieren. Dafür braucht es Orte, an denen Produkte nicht nur präsentiert, sondern diskutiert, getestet und in einen größeren Zusammenhang gestellt werden. Der persönliche Austausch über Märkte, Geschäftsmodelle und konkrete Anwendungserfahrungen bleibt ein wesentlicher Motor für Innovation. Host America kann zu einem solchen Ort werden. Für europäische Hersteller eröffnet die Plattform den Zugang zu einem enormen Markt. Für nordamerikanische Betreiber bietet sie die Möglichkeit, neue Technologien, Materialien und Konzepte kennenzulernen. Und für die gesamte Branche entsteht ein weiterer internationaler Treffpunkt, an dem aus Begegnungen Kooperationen – und aus Ideen tragfähige Lösungen – werden können.
Host America 2027 auf einen Blick
Termin: 11. bis 13. Februar 2027
Ort: Orlando, Florida, USA
Rahmen: The NAFEM Show
Veranstalter und Partner: Fiera Milano, HostMilano und NAFEM
Schwerpunkte: Kaffee und Vending, Gelato und Kühlung, Hospitality Design und Tableware sowie Bakery- und Pastry-Technik
Zielgruppen: Hersteller, Händler, Planer, Einkäufer, Betreiber und Entscheidungsträger aus Gastronomie, Hotellerie, Foodservice und Food Retail
HostMilano 2027
Die 44. Ausgabe der HostMilano findet vom 22. bis 26. Oktober 2027 auf dem Gelände der Fiera Milano statt. Die internationale Fachmesse deckt unter anderem professionelle Küchentechnik, Bakery, Pizza und Pasta, Kaffee und Tee, Bar- und Kaffeemaschinentechnik, Gelato, Einrichtung, Hospitality-Technologie und Tableware ab.



