Der Fisch hat irgendwie anders geschmeckt...
Kolumne von Stefan Häseli
03. August 2026 · Stefan Häseli

Warum schmeckt ein gebratener Fisch am Meer fast immer besser als derselbe Lachs zu Hause? An den Gewürzen liegt es selten. Auch nicht zwingend am Rezept.
Oder man regt sich bei Andrang im Ferienverkehr nicht so auf, wogegen man zu Hause bald einmal ungeduldig wird und man das Gefühl hat, dass wieder „alle anderen“ zur gleichen Zeit in die Stadt fahren müssen. Auch das muss nicht an der realen Verspätungszeit liegen.
Vielleicht hat es aber einfach etwas mit uns zu tun.
In den Ferien sitzen wir anders am Tisch. Wir schauen länger aufs Wasser als aufs Handy. Wir haben keinen Termin im Nacken, keine To-do-Liste im Kopf und keine Mail, die noch schnell beantwortet werden müsste. Wir sind nicht nur an einem anderen Ort, wir sind v.a. in einem anderen Zustand. Der Kontext ist anders, der innere, emotionale Zustand aber und vor allem auch.
Und genau das gilt auch für unsere Kommunikation.
Ist Ihnen das auch schon durch den Kopf gegangen, dass die anderen schwierig seien? Dabei sind wir vielleicht selbst gestresst, müde oder innerlich schon beim nächsten Termin. Dasselbe Wort kann wie eine Einladung oder wie ein Angriff klingen. Je nachdem, in welcher Stimmung wir es hören. Nicht nur der Sender entscheidet über die Botschaft, sondern auch der innere Empfänger.
In den Ferien reagieren Menschen oft gelassener. Sie hören länger zu. Ein Missverständnis wird mit einem Lächeln statt mit einem Augenrollen beantwortet. Plötzlich haben Freundlichkeit und Humor wieder Platz.
Vielleicht ist das die wichtigste Ferienerinnerung, die wir mit nach Hause und am ersten Montag wieder ins Büro nehmen könnten. Nicht den Sand in den Schuhen, das kitschige Souvenir aus dem Kiosk und auch nicht das Handy-Bild vom Fisch Hafenrestaurant. Sondern den inneren Zustand, in dem wir dort waren. Speichern wir uns das doch diesen ab.
Wenn wir etwas von der Ruhe, der Neugier und der Gelassenheit der Ferien in den Alltag hinüberretten, dann werden u.U. nicht alle Gespräche einfacher. Aber viele werden wärmer. Und manchmal schmeckt dann sogar der Fisch zu Hause fast ein bisschen nach Meer.
En Guete!



